Zwichtelwettzirbennußknacken
Jedes Jahr im Herbst, wenn die Zirbenzapfen reif werden, kommt für die Zwichteln eine besonders arbeitsreiche, aber auch lustige Zeit – die Zeit der Ernte. Das bedeutet für alle Zwichtel zwar viel Arbeit, es macht ihnen aber auch viel Spaß! Denn dann gibt es das große Zirbennußknackfest. Aber bis es so weit ist, gibt es jede Menge zu tun.
Zuerst müssen die reifen Zirbenzapfen einmal geerntet und zusammengetragen werden. Alle Zwichtel sind auf den Beinen und am ganzen Zirbitz unterwegs, um die Zapfen zu sammeln und bald bildet sich an einem versteckten Ort ein riesiger Zirbenzapfenberg. In letzter Zeit müssen die Zwichtel auch immer weitere Strecken in abgelegenere Gegenden wandern, um genug Zapfen zu finden, denn auch die Menschen wollen immer mehr von diesen wertvollen Früchten haben. Die holen sie sich allerdings schon im Frühjahr, um den köstlichen Schnaps daraus zu machen.
Zwichtel ernten die Zapfen vor allem wegen der gesunden Zirbennüsse, ohne die wohl keiner der Zwichtel so „groß“ und stark werden würde und vor allem auch nicht so alt. Schon die ganz kleinen Zwichtelkinder bekommen Zirbennussmilch ins Fläschchen und krank sind sie so gut wie nie. Und so nehmen sie die Müh` und Plage des Erntens auch gerne auf sich.
Wenn sie also genug Zapfen zusammengetragen haben, müssen die Kerne erst aus den Zapfen gelöst werden, manche fallen ja leicht heraus, oft aber sind die kleinen Fingerchen der Zwichtelkinder notwendig, um auch wirklich alle Samen aus den Zapfen herauszukriegen. Wenn nun diese Arbeit auch getan ist, dann fängt das große Fest an – und das kann oft Tage dauern.
Alle Zwichtel versammeln sich dann um den Berg von Zirbennüssen. Jeder hat zwei Steine bei sich. Das sind aber keine ganz normaler Steine. Schon viele Wochen vorher fängt das große Steinetesten an. Da werden Steine gesammelt, da wird geklopft und geschlagen, da werden Steine zerschmettert und zurechtgehämmert, bis endlich jeder Zwichtel die zwei perfekten Klopfsteine parat hat. (Meist sind es ja die Zwichtelmänner, die ehrgeiziger und meist auch ein wenig stärker sind und außerdem auch mehr Zeit dafür haben. Aber auch die eine oder andere Zwichtelfrau ist mit demselben Eifer dabei.)
Ja, und dann geht’s an Zirbennüsseknacken. Der ganze große Berg soll ja verschwinden und das sind wirklich viele Zirbennüsse. Und nachdem ein Wettbewerb ja bekanntlich immer viel mehr Spaß macht, als ganz normale Arbeit, geht die Wette so:
Wenn der ganze Berg Zirbennüsse geknackt ist, werden die Kerne jedes einzelnen Zwichtels gezählt und wer die meisten geknackt hat, hat gewonnen.
Natürlich hält am Beginn des Bewerbes der Sieger des Vorjahres eine Rede und jeder Mitkämpfer ist umringt von seinem Fanclub, der ihn entsprechend anfeuert.
Dann kann es endlich losgehen und den ganzen Tag ist ein großes Hallo am Platz, denn alle Zwichtel groß und klein, wollen dabei sein. Den ganzen Tag wird geklopft und geschlagen, zuerst sehr schnell und gegen Abend wird das Klopfen immer leiser, alle Mitstreiter werden langsam müde. Da helfen keine Stärkungspausen und kein Anfeuern mehr. Wenn es langsam dunkel wird, wird es auch still am Platz, alle arbeitenden Zwichtel fallen todmüde ins Bett, um am nächsten Tag wieder weitermachen zu können.
So kann das schon eine ganze Woche gehen und langsam, ganz langsam schrumpft der Zirbenkerneberg zusammen und endlich, nach sechs Tagen, versammeln sich alle Zwichteln wieder um die tapferen Kämpfer und feuern sie noch einmal kräftig an, denn nun werden die letzten Nüsse geknackt. Erschöpft fallen die fleißigen Zwichtel ins weiche Moos, um sich von dieser Anstrengung zu erholen.
Und nun sind alle Älteren gefragt, denn nun wird gezählt. Nach 4 Stunden und 22 Minuten eifrigen Zählens steht der Sieger fest. Dieses Mal muss Bertl, der Sieger der vergangenen Jahre, sich geschlagen geben. Der neue, stolze Träger der goldenen Zirbennuss heißt Willi! Um 24 Zirbenkerne hat er Bertl geschlagen. Mit viel Hallo wird er um den Platz getragen und beim großen, gemeinsamen Festessen darf er am Ehrenplatz sitzen.
Erleichtert und froh, dass der Wintervorrat gesichert ist feiern die Zwichtel nun gemeinsam ein großes Fest. Da wird gesungen, getanzt und gegessen und sogar die ganz Kleinen dürfen schon mit dabei sein.
Am nächsten Tag werden die Zirbennüsse dann auf alle Familien gerecht aufgeteilt und jeder verstaut seinen Schatz dann in seiner Vorratskammer.
Jetzt kann der Winter kommen!












