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Das Bergkirchlein im Wildsee

Wo sich jetzt der tiefgrüne Wildsee ausbreitet, war vor Zeiten eine herrliche Alm, in deren Mitte ein schmuckes Bergkirchlein stand. Jeden Sonn- und Feiertag verrichteten die einst frommen Senner und Sennerinnen dort ihre Andacht. Die überaus reichen Erträgnisse an Milch, Butter und Käse aber machten die Almleute mit der Zeit übermütig. Statt im Kirchlein zu beten, hielten sie dort ihre wüsten Zechgelege ab.

Eines Tages, als sie – wie schon oft – im Gotteshaus wieder tüchtig zechten, freche Lieder sangen und zuletzt sogar zu den Klängen der Orgel und dem Geläute der Glocken schamlos zu tanzen begannen, war das Maß ihrer Sünden übervoll. Im Kircheneingang erschien plötzlich eine unheimliche Frau mit einer großen Wasserbutte; wie war auf der Alm noch nie gesehen worden. – „Mach die Butte auf, wenn Du Wein gebracht hast! Wir haben alle Durst!“ riefen ihr die übermütigen Burschen zu. Nun kippte das Weib die Butte um, und ein dicker Wasserstrahl schoss heraus, der unaufhaltsam zu einem mächtigen Wasserfall anschwoll. In kurzer Zeit füllte sich die ganze Kirche mit Wasser; niemand konnte sich retten, und alle Almleute mussten jämmerlich ertrinken. Zuletzt versank das Gotteshaus in den unergründlich tiefen Wassermassen, die ringsum alles überfluteten.

Dort, wo einst das schmucke Bergkirchlein stand und fruchtbare Almweiden waren, breitet sich heute der düstere Wildsee aus. Es geht die Sage, dass dereinst die Kirche von zwei weißen Stieren gehoben werden kann; sie müssen sieben Jahre lang von einer Kuh gesäugt werden, doch darf während der ganzen Zeit nicht ein einziger Tropfen Milch für andere Zwecke verwendet werden.“

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