Die verschneite Alm
Am Fuße der Gratwände des Zirbitzzuges breitete sich vorzeiten eine gar herrliche, üppig grünende Alm mit schönen Sennhütten aus. Die Kühe fanden dort die saftigsten Gräser und Kräuter, daher gediehen sie vorzüglich und bekamen Rieseneuter, die Milch in überreichen Mengen lieferten. Goldgelbe Butterstriezeln von ansehnlichen Ausmaßen, und saftige Käselaibe, groß wie Wagenräder, häuften sich zu Bergen in den Vorratskammern.
Dieser Überfluss verleitete die Sennerinnen bald zur Verschwendung, und sie begannen die Gaben Gottes schändlich zu missbrauchen. Statt des Wassers benützten sie die köstliche Milch zum Waschen und Spülen, ja sogar zum Reiben des Fußbodens. Die Ritzen im Gebälk der Hütten verschmierten sie mit der feinsten Butter, und der Stallboden wurde mit Käselaiben gepflastert.
Kurzum, es herrschte die sinnloseste Verschwendung, die um Strafe zum Himmel schrie. Sie sollte auch nicht ausbleiben! In einer Nacht schneite es so heftig, und ein gewaltiger Schneesturm tobte so fürchterlich, dass am Morgen die ganze weite Alm unter einer fast haushohen Schneedecke begraben war. In den Stallungen brüllten die Kühe vor Kälte und Hunger, magerten rasch ab und gaben nur sehr wenig Milch. In kurzer Zeit herrschte die größte Not, und die Sennerinnen mussten die früher missbrauchte Butter mühselig aus den Ritzen herauskratzen und die im Stall verunreinigten Käselaibe essen, sonst wären sie verhungert. Aus war es mit der Überfülle, und Not und Elend herrschte jetzt dort, wo früher die Verschwendung regierte.
Der Schnee wollte und wollte nicht weichen und blieb fast das ganze Jahr liegen, und heute ist es immer noch so. Seither heißt dieses verödete Stück Land die „verschneite Alm“.












