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Vom Wildsee

Südlich des Zirbitzgipfels erhebt sich der etwas niedrigere Fuchskogel, der im Südosten jählings mit turmhohen Felswänden abbricht. Am Fuße dieser Steilwände, von ihnen auf drei Seiten umschlossen, liegt der düstere, sagenreiche Wildsee, der mit Recht diesen Namen führt.
Im unergründlichen Seebecken soll ein gewaltiges Untier hausen; von dem manchmal der scheußliche Kopf – einem riesigen Stierschädel ähnlich – auf wenige Augenblicke sichtbar wird. Auch Riesenfische soll der See beherbergen, die mit starken Schwanzschlägen jeden Kahn zum Sinken bringen. Deshalb kann der Wildsee auch nicht befahren werden.

Wenn übermütige Wanderer Steine ins Seewasser werfen, so kommt in kürzester Zeit ein fürchterliches Unwetter mit Blitz, Donner und Hagelschlag, und der Bösewicht muss froh sein, wenn er mit halbwegs heiler Haut davon kommt.

Der Wildsee ist sehr tief, ja grundlos und soll mit dem Wörthersee in Kärnten unterirdisch in Verbindung stehen. – Einmal rastete ein Bauer mit seinem Ochsengespann am Ufer des Wildsees. Es war ein heißer, schwüler Tag, und die Ochsen traten ins Wasser, um ihren Durst zu löschen. Plötzlich entstand ein heftiger Wasserwirbel, eine liebliche Seenixe tauchte auf und zog die Ochsen schnell in die Tiefe. Sprachlos vor Entsetzen blieb der Bauer wie gebannt eine Weile am Seeufer stehen, doch seine schönen Ochsen sah er nie wieder. Mehrere Wochen später wurde das hölzerne Doppeljoch der Ochsen in der Nähe von Klagenfurt aus dem Wörthersee gezogen. Seither behaupten die Leute, dass der Wörthersee sein Wasser vom unergründlichen Wildsee empfange.

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