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Zirbenwissen

 

Die Zirbe kann eine Höhe von 20 bis 30 m erreichen. Charakteristisch ist ihr stark abholziger Stamm, der bis zu 1 m Durchmesser umfasst. Die Zirbe verlangt kurze warme Sommer, reichlich Luftfeuchtigkeit und tiefgründige Böden. Das Wort Zirbe (Abkürzung für Zirbelkiefer) ist nur in Österreich und Bayern gebräuchlich. Zirben_Standort



Bis ins 16. Jahrhundert bezog sich diese Bezeichnung nur auf die Zapfen. Erst dann wurde sie auf den ganzen Baum ausgeweitet. Zirbe leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort „zirben“ ab, das mit „wirbeln“ oder „sich im Kreise drehen“ übersetzt wird. In der Schweiz wird die Zirbe „Arve“ genannt. Weitere Bezeichnungen im alpinen Raum sind Zirm, Zirbern, Ziam, Zierme, Zirzen, Zirlein, Zirlinbaum, Zirlipaum. Die botanische Bezeichnung lautet Pinus cembra L.: „Pinus“ steht für die Gattung Kiefer, der Zusatz „cembra“ geht vermutlich auf das keltische „ciombra“ zurück, das Gebirgstal bedeutet.

Vorkommen

Die Zirbe wächst bei uns in 1.700 bis 1.900 m Seehöhe. Generell steigt die Zirbe höher als alle anderen Baumarten hinauf, sie ist damit eine „Schlussbaumart“. Im Westen wagt sie sich sogar bis über 2.500 m Seehöhe.

Je nach Bodenbeschaffenheit und Höhenlage wächst die Zirbe gemischt mit Lärchen, Latschen, Grauerlen und Fichten.

Zirbe_Vorkom2

 Während der Eiszeit und der damit verbundenen Vergletscherung der Alpen besiedelte die Zirbe sogar Standorte im Wiener Becken und der Ungarischen Tiefebene. Mit dem Abschmelzen des Eises zog sie sich wieder ins Gebirge zurück.

Die Verbreitung der alpinen Zirbe beschränkt sich heute auf zwei Areale: Alpen: Schwerpunkte in Österreich im Ötztal, Hohen Tauern sowie Seetaler Alpen, in der Schweiz im Engadin und im Wallis. Kleinere Vorkommen der alpinen Zirbe gibt es in Karpaten und Hohe Tatra.

Zirbe_verbreit1



Wurzeln

Die Zirbe besitzt mächtige Pfahlwurzeln und ein dichtes Netz an starken Seitenwurzeln. Diese können bis zu 9 m lang werden. Sie erreichen Armdicke und verankern sich sogar in Felsspalten. Diesem weit ausgreifenden Wurzelsystem verdankt die Zirbe ihre große Standfestigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen die stärksten Stürme. Sie übertrifft in dieser Hinsicht jedes andere hochstämmige Nadelholz. 1_1_2_Wurzeln-Steinberger_Freigassner

Bei den Wurzeln kann man Lang- und Kurztriebe unterscheiden: Die Langwurzeln sind mit herkömmlichen Wurzelhaaren versehen. Sie dienen der Aufnahme des Wassers und der darin gelösten Nährsalze. Die fein verzweigten Kurzwurzeln sind zum größten Teil als Pilzwurzeln ausgestaltet: Sie dienen vermutlich der Verarbeitung des Stickstoffs. In höheren Lagen sind Zirben ohne diese Symbiose mit Pilzen kaum überlebensfähig.


Wachstum und Fortpflanzung

Die Zirbe wächst unter allen Nadelhölzern am langsamsten. Lange noch steht sie als dicht benadelter Busch da, wenn gleichaltrige Fichten bereits zu ansehnlichen Bäumen herangewachsen sind. Je höher der Standort liegt, umso geringer ist das Wachstum. Auch kleinwüchsige Stämme können daher bereits ein sehr hohes Alter aufweisen. Auf 2.200 m Seehöhe ist eine zehnjährige Zirbe erst 10 cm groß. Dieses langsame Wachstum in der Jugend ist charakteristisch für die Zirbe. 

1_1_3_-Kaetzchen-Reitinger

Die Zirbe blüht entsprechend ihres langsamen Wachstums erst sehr spät:
An exponierten natürlichen Standorten ab dem 70. – 80. Lebensjahr, in geschützten Lagen kaum vor dem 40. Lebensjahr

Sie blüht alle sechs bis zehn Jahre. Blütezeit ist von Mai bis Juli. An den Spitzen der jungen Triebe befinden sich die männlichen roten oder gelben Kätzchen mit dem Pollen sowie die violettfarbenen Zäpfchen der weiblichen Blüten. Die Blüten sind vor allem im oberen Kronenbereich zu finden, dort setzen später die Zapfen an.

1_1_3_Zaepfchen-Reitinger

Die Entwicklung der Zirbenzapfen dauert zwei Sommer, wobei sie erst im Oktober des zweiten Jahres reifen. Zirbenzapfen sind dick eiförmig, anfangs blau bereift. Sie sind 5 bis 9 cm lang und 3 bis 6 cm dick. Schneidet man einen frischen Zapfen auseinander, zeigt sich innen seine rötliche Farbe, das so genannte „Zirbenblut“. Als einzige Samen der Hauptbaumarten enthalten Zirbenzapfen im Herbst des zweiten Jahres noch keine keimfähigen Samen. Erst im Frühjahr des dritten Jahres fallen die hellbraunen, geschlossenen Zapfen als Ganzes ab und zerfallen. Danach setzen sich die Samen im Boden fest und bilden erste Keimlinge aus. Dabei schützt eine Art „Krone“ – der Überrest des Samens – den Keimling vor widrigen Bedingungen. Auch dies ist ein Grund der Resistenz der Zirbe.

 

Erscheinungsbild

Die Zirbe hat eine charakteristische, äußerst regelmäßige Wuchsform in ihrer Jugend. Die Äste reichen sehr tief. Die Krone besitzt eine ausgeglichene Kegelform. Sie ist ausladend, sehr dicht und nach innen geschichtet. Die Zirbe kann dadurch mehr Regenwasser auffangen als andere alpine Bäume. Da die Nadeln starken Schatten ertragen, werden auch die unteren Äste nicht abgestoßen. Mit zunehmendem Alter verändert sich diese Wuchsform und wird walzenförmiger: Je geschützter und tiefer die Lage ist, umso länger bleibt die jugendliche Wuchsform erhalten. Bricht der Leittrieb, also der Hauptstamm im Laufe der Zeit ab, kommt es zur so genannten „Zwieselbildung“. Darunter versteht man die Gabelung eines Stammes in etwa zwei gleich starke Arme. Das mindert zwar den Holzertrag, steigert aber die geheimnisvolle Aura des Baumes. Abgestorbene Teile der Zirbe bleiben neben lebenden Teilen stehen. 1_1_4_Erscheinungsbild_Zwiesel-Gepp

Die typische Form freistehender Zirben hohen Alters ist die „Kandelaberform“: Sie besitzt viele, in ununterbrochener Reihenfolge weit nach unten reichende, dicht benadelte Äste. Wie bei einem Kerzenständer sind die Enden mehr oder weniger steil. In ausgesetzten Lagen wird die Krone häufig unregelmäßig, die so genannte „Wetterzirbe“ entsteht. Während andere Bäume bei Wetterschäden zu verkümmern beginnen, können der Zirbe Schäden durch Stürme, Blitzschläge oder Schneebruch nichts anhaben. Grund dafür ist der Harzreichtum der Zirbe: Er sorgt für ein überdurchschnittlich gutes Ausheilungsvermögen. Zudem sind im Holz Farb- und Gerbstoffe eingelagert, die holzzerstörende Pilze nur langsam vorankommen lassen.

Die Wetterseite der Zirben lässt sich in exponierten Lagen sehr leicht bestimmen: Auf der dem Wind zugekehrten Seite verleihen zahlreiche abgestorbene und nachwachsende Triebe dem Baum ein fast struppiges Aussehen. Sie sind zudem deutlich kürzer als die vom Wind abgekehrten Triebe. Da dadurch die Belastung des Stammes einseitig wird, nimmt er häufig eine schiefe Wuchsrichtung ein.

Nadeln

Es sind jeweils fünf Nadeln an einem Kurztrieb, bläulich grün gefärbt und dreikantig mit stumpfer Spitze. Die 4 bis 8 cm langen Nadeln fallen nach 4 bis 6 Jahren vom Trieb ab. Der Streuabbau erfolgt sehr langsam und es kann zur Bodenversauerung kommen.
Zirben_Nadeln

 

Blüte und Frucht

Die Mannbarkeit wird im Bestand mit ca. 50 - 80 Jahren erreicht. Alle 6 bis 10 Jahre blühen die Zirben in der Zeit von Mai bis Juli. Im September oder Oktober des Folgejahres sind die Zapfen voll ausgebildet und die Samen reif. Sie sind bis zu 8 mm groß, von einer dicken Schale umgeben und reich an Fett. Zirben_Zapfen

 

Rinde und Wurzel

Die Rinde ist in der Jugend glatt, teilweise glänzend und silbrig- graugrün gefärbt, später graubraun und etwas warzig, im Alter graubraun und rissig.
In der Jugend hat die Zirbe eine Pfahlwurzel, im Alter kommt es jedoch zur Ausbildung eines weitreichenden Senkerwurzelsystems. An den Wurzelspitzen geht die Zirbe eine Symbiose mit Mykorrhizapilzen ein.
Zirben_Rinde

 

Holz

Das Holz der Zirbe hat einen gelbrötlichen Kern und einen schmalen gelblichen Splint; es ist weich, leicht, dauerhaft und gut zu bearbeiten. Die zahlreichen festverwachsenen Äste der Zirbe bedeuten für das Holz keine Qualitätsminderung im Gegensatz zu den anderen Baumarten. Durch die dunklen Äste entsteht eine besonders schöne Zeichnung. Frisch geschlagenes Zirbeholz bewahrt noch Jahrzehnte seinen charakteristische Duft, den man besonders in Zirbenstuben wahrnimmt. Zirben_Holz

 

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